Portugal - Die Historie

Der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz entdeckt
Südafrika
Erste Zeugnisse von menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Portugals stammen aus dem 18. Jahrtausend vor Christus. Es handelt sich um Felsmalereien, die in Foz Côa, im Nord-Osten Portugals gefunden wurden. Der erste Besitzanspruch auf das Territorium wurde im Jahre 2000 vor Christus durch den Volksstamm der Iberer gestellt. Nach den Iberern besiedelten auch die Phönizier und die Kelten das Land, bis es 450 vor Christus von Karthago erobert wurde. Im zweiten punischen Krieg schlugen die Römer die Karthager, womit eine mehrere Jahrhunderte andauernde römische Herrschaft begann, die erst im 5. Jahrhundert nach Christus im Rahmen der Völkerwanderung endete. Die "barbarischen Stämme" der Wandalen, Alanen, Sueben und Westgoten zerstörten die römische Provinz. Einen kulturellen Aufschwung brachte die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren im Jahr 711, die der ansässigen Bevölkerung in Handel, Landwirtschaft und Wissenschaft weit voraus waren. Ein Widerstand gegen die Invasion ging deshalb nur von den Herrschern des Westgoten-Reiches aus. Vom Großteil der Bevölkerung wurde das Eintreffen der Mauren begrüßt.
Afonso I
Bis heute ist das kulturelle Erbe der muslimischen Herrschaft im ganzen Land zu spüren. Die berühmten Azulejos, die blau bemalten Kacheln, die heute in Portugal viele Häuserfassaden und sogar ganze Kirchen-Innenräume zieren, wurden beispielsweise in dieser Zeit auf die Iberische Halbinsel gebracht. Auch die potugiesische Sprache lässt eine Verwandtschaft zum Arabischen erkennen. Besonders ausgeprägt ist dies an der Algarve, wo die Mauren gut 200 Jahre länger blieben, als im Rest des Landes. Der Name "Algarve" leitet sich übrigens von den arabischen Worten "Al Gharb" ab, was "Land im Westen" bedeutet. Bereits im Jahr 722 begann im nordwesten Spaniens, mit der Schlacht von Covadonga, die christliche Rückeroberung (Reconquista) der Iberischen Halbinsel. Es dauerte aber bis 1249 bis die Reconquista in Portugal mit der Einnahme Faros durch Alfons III abgeschlossen war. Nördlich der Algarve, wo sich die Mauren weniger lange behaupten konnten, wurde bereits im Jahre 1139 das Königreich Portugal gegründet, dessen erster Monarch Alfonso I war. Nachdem 1147 Lissabon und Santarém durch Alfons I von den Mauren zurückerobert wurden, erkannte Papst Alexander III 1179 die Unabhängigkeit Portugals an. Damit ist das Land heute der älteste Nationalstaat Europas. Drei Jahre später gründete der König den Ritterorden von Avis, der in den folgenden 87 Jahren die Reconquista entscheidend mit vorantrieb. 1383 verhinderte der Meister der Aviz-Ritter Prinz Johann die Angliederung Portugals an Kastilien und besteigt den Thron als Johann I. Unter der Herrschaft der Dynastie Aviz begann die Entdecker-Zeit der Portugiesen.

Johann I
Der vierte Sohn von Johann I, Heinrich, gründete in Sagres eine Art Wissenschaftszentrum für Seefahrt und ging als "Heinrich der Seefahrer" in die Geschichte ein, weil er bahnbrechende Neuerungen auf dem Gebiet brachte. 1415 wurde Ceutá in Marokko besetzt. 1419 entdeckten portugiesische Seefahrer Madeira, 8 Jahre später die Azoren. 1434 stieß Gil Eanes bis zum Kap Bojador in Südmarokko vor, wo man bis Dato das Ende des befahrbaren Meeres vermutet hatte. Weitere 10 Jahre später kamen mit den portugiesischen Seefahrern erstmals Europäer bis in schwarzafrikanisches Gebiet. Die Zeit des Sklavenhandels begann mit Lagos als Hauptumschlagsplatz. Unter Manuel I, der von 1485 bis 1521 regierte, erlebte Portugal seine Blütezeit und stieg endgültig zur führenden Kolonial- und Handelsmacht auf. Vasco Da Gama entdeckte 1498 den Seeweg nach Indien. Pedro Álvares Cabral landete 1500 in Brasilien. Das Kolonialreich Portugals erstreckte sich fortan von Europa über Afrika bis nach Asien und Südamerika. 1578 kam es in Marokko zur verheerendsten Schlacht der portugiesischen Geschichte. In einer kriegerischen Auseinandersetzung um die marokanische Krone zwischen Sultan Mohammed el Moutaouakil, der von den Portugiesen unterstützt wurde, und seinem Onkel, starben unter 25.000 Männern auch beide marokkanischen Thron-Anwärter und der portugiesische König Sebastião. Kurzzeitig übernahm der Onkel von Sebastião, Heinrich II, die portugiesische Herrschaft, starb aber 1580 ohne Thronfolger. Damit war die Aviz-Dynastie beendet und der Untergang der Weltmacht Portugal beginnt.
Der spanische König Philip II war der Enkel von Manuel I und machte einen Erbanspruch geltend. 60 Jahre, bis 1640 wurde Portugal von Spanien fremdregiert. Erst dann konnte sich das Land durch einen Aufstand wieder vom Nachbarn lösen. Die Kämpfe dauerten allerdings bis 1668 an. Im Jahre 1706 verpasste Portugal die Chance erneut eine wirtschalftliche Vorherrschaft in Europa ein zu nehmen. Erst 1706 wurde in Brasilien Gold gefunden. Doch anstatt den Reichtum zu investiern errichtete der König João V prestigeträchtige Bauten wie den Klosterpalast von Mafra oder die Universitätsibliothek von Coimbra. Obwohl das Land nicht an die Stärke des frühen 16.Jh anknüpfen konnte, spricht man heute von einem "zweiten goldenen Zeitalter" in das João V Portugal führte.
1755 kam es zu einer der verheerendsten Katastrophen in der portugiesischen Geschichte, als ein schweres Seebeben vor der Algarveküste weite Teile des Landes in Schutt und Asche legte. Selbst Lissabon wurde fast vollständig zerstört. Der Marquis de Pombal kümmert sich um den Wiederaufbau der Hauptstadt und beweist dabei ein derart großes organisatorisches Geschick, dass er zum ersten Minister und damit zum mächtigsten Mann neben dem König ernannt wurde. Er führte Portugal in die Moderne. Unter Anderem löst er den Jesuitenorden in Portugal und Brasilien auf. Bedeutende Mitglieder wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er schaffte die Sklaverei in Portugal ab und hebte Diskriminierungen gegen christianisierte Juden auf. Die Inquisition stellte er unter die Aufsicht des Staates und er beschloss ein Schulsystem und gründete naturwisenschaftliche Fakultäten. Bis 1777 behielt der Marquis seine Position neben dem König Joseph I. Nach dessen Tod bestieg seine Tochter Maria I zusammen mit ihrem Onkel und Ehemann Peter III den Thron. Der streng gläubigen Königin war der nonklerikale Stil des Marquis ein Dorn im Auge und sie stellte ihn daher auf seinem Landsitz unter Hausarest.
1793 führte Portugal, aus Angst der französische Revolutionsgedanke könnte auf seine Kolonien übergreifen, einen Krieg gegen Frankreich. Bis 1811 versuchten daraufhin die Franzosen drei Mal in Portugal einzumaschieren, mussten sich jedoch jedes Mal nach kurzer Zeit zurückziehen. Jedes Mal eilten den portugiesen die Briten zur Hilfe. Am Ende des Krieges war Portugal verwüstet und vom Wohlwollen Englands abhängig. Regiert wurde das Land von Brasilien aus, das seit 1815 nicht mehr Kolonie, sondern unabhängiges Königreich gleichen Rechts war. England konnte seit 1810 unter Umgehung Portugals direkt mit Brasilien handeln. An ein Aufkommen der Industrialisierung in Portugal war im frühen 19.Jh. somit nicht zu denken.
Zwar hält die Industrialisierung um 1850 in der Algarve Einzug und es entstehen Konservenfabriken in den Küstenstädten, Korkfabriken im Hinterland und 1889 sogar die Eisenbahnlinie Lissabon - Faro, jedoch kam das Land nicht über den Status eines wenig entwickelten Agrarstaates hinaus. Im Frühjahr 1891 wurde der Staatsbankrot erklärt. Seit einem Attentat auf den König Carlos I und seinen Thronfolger Luís Filipe im Jahr 1908 wurden die Geschicke Portugals nicht mehr von einem König gelenkt. Der letzte Monarch Manuel II dankte 1910 ab und ging ins Exil. Am 5. Oktober 1910 wurde die Republik ausgerufen. Am 28 Mai 1926 kam es zu einem Putsch, mit dem fast 50 Jahre portugiesische Diktatur begannen. 1933 gründete António Salazar die Einheispartei "União Nacional" und regierte das Land bis 1968. Seine Politik basierte auf Unterdrückung und Ruhigstellung opositioneller Bewegungen. Er etablierte die Legião Portuguesa, nach Vorbild der Sturmabteilung der deutschen NSDAP sowie die Mocidade Portuguesa nach Vorbild der Hitlerjugend. Während des zweiten Weltkrieges nahm das Salazar-Regime allerdings eine weitgehend neutrale Haltung an. Gegenüber anderen europäischen Staaten verfolgte Salazar das Prinzip des "stolzen Isolationismus". Eine bedeutende internationale Rolle spielte das Land nur aufgrund des großen Kolonialbesitzes. Um diesen zu behaupten wurden ab 1961 eine Reihe Kolonialkriege in Afrika geführt. 1968 musste António Salazar seine Führungsposition nach einem Hirnschlag abgeben. Sein Nachfolger Marcello Caetano wurde am 25. April 1974 mit einem unblutigen Putsch, der als "Nelkenrevolution" bekannt ist, entmachtet. Zunächst wurde eine sozialistische Verfassung erarbeitet. In den folgenden Jahren entwickelte sich aber ein weltoffener politischer Kurs, der 1986 im Beitritt Portugals in die europäische Union endete.
Heute ist Portugal ein moderner demokratisch regierter Staat, der sich mit Hilfe der EU wirtschaftlich sehr schnell entwickelt und eine freie Marktwirtschaft hat.
