Portugal - Die Kultur
Die bewegte Geschichte Portugals und der Stolz der Portugiesen auf ihre Nation schlägt sich in einer reichhaltigen Kultur nieder. Von besonderer Bedeutung sind die Kunst der bemalten Wandkacheln "Azulejos", der manuelinische Baustil und der portugiesische Musikstil "Fado".Azulejos

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Azulejos in Lissabon
Jedem Portugalreisenden werden gleich zu Beginn des Urlaubs die blau bemalten Fliesen auffallen, die Hausfassaden, Mauern, Bänke, Tische und sogar ganze Kirchen-Innenräume schmücken. Auf ihnen sind aufwändige Malereien angebracht, die häufig von der vergangenen großartigen Zeit der Entdeckungsfahrten berichten. Auf diese "Azulejos" und die Kunst sie herzustellen, sind die Portugiesen sehr stolz, schauen sie doch auf eine Jahrhunderte alte Tradition in der Ausübung dieses Handwerks zurück.
Die damals technologisch weit besser entwickelten Mauren, brachten bei Ihrer Eroberung der Iberischen Halbinsel das Wissen um das bemalen von Wandkacheln mit in die Region. Die Abstammung der Azulejos aus dem arabischen Raum zeigt sich, wie bei vielen Worten der portugiesischen Sprache bereits im Namen. "Al Zulaij" ist Arabisch für "kleiner polierter Stein". Fälschlicherweise wird häufig angenommen, dass der Name in Zusammenhang mit dem portugiesischen Wort "azul", was "blau" bedeutet steht. Die Ähnlichkeit der beiden Worte und die blaue Färbung der Azulejos sind rein zufälliger Natur. Die Technik erlaubte es zunächst nur einfache geometrische Formen zur Verzierung der Kacheln zu nutzen. Nach der Reconquista jedoch verfeinerten portugiesische und spanische Handwerker den Prozess, so dass fortan auch komplizierte Malereien auf den Azulejos zu bewundern waren. Während die Azulejos in Spanien im Laufe der Jahrhunderte immer mehr verschwunden sind, ist die Kunst in Portugal bis heute erhalten geblieben und allgegenwärtig.
Manuelinik
Im frühen 16. Jahrhundert war das Königreich Portugal durch die Erfolge der Seefahrer auf Ihren Entdeckungstouren und die Reichtümer, die aus den Kolonien ins Land kamen, zu großem Wohlstand gekommen. Man war in Portugal stolz auf seine großen Seefahrer, wie Vasco da Gama, Bartolomeu Diaz und Heinrich den Seefahrer und die portugiesen begannen sich als eine große Seefahrernation zu sehen, die sie damals ohne Frage auch waren.
König Manuel I (1496-1521) stellte den neuen Reichtum in beeindruckenden Bauwerken zur Schau, in denen Stilelemente, wie in Stein gemeißelte Schiffstaue, das Selbstverständnis als Nation der Entdecker und auch den Stolz auf die portugiesische Seefahrt darstellten. Diese Elemente verbinden sich in den Bauten mit Einflüssen der Spätgotik und bilden zusammen den portugiesischen Baustil der nach Manuel I benannten "Manuelinik".
Das verheerende Erdbeben von 1755 zerstörte weite Teile des Landes und ihm fielen auch die meisten Bauwerke der Manuelinik zum Opfer. Im Lissaboner Stadtteil Belém sind aber die beiden berühmtesten Bauwerke dieses Stils erhalten geblieben. Der Torre de Belém und das Mosteiro dos Jerónimos (Hieronymus-Kloster).
Nur in Portugal findet man Bauwerke, die im Stile der Manelinik errichtet wurden.
Fado

José Malhoa "O Fado"
Fado ist ein portugiesischer Musikstil, dessen Name auf deutsch "Schicksal" bedeutet.
Ein Fado-Ensemble setzt sich mindestens aus einer portugiesischen 12-Saitigen Gitarre der "guitarra" und einem Sänger oder einer Sängerin zusammen. Häufig kommen noch eine Gitarre und ein Bass hinzu.
Es gibt zwei große Strömungen im Fado. Der Fado de Lisboa (Fado aus Lissabon) hat in aller Regel die "saudade", jenes Gefühl, das eine Mischeung aus Fern- und Heimweh, Melancholie und Sehnsucht nach Liebe und besseren Zeiten ausdrückt, zum Thema. Der Fado de Coimbra (Fado aus Coimbra) wird traditioneller Weise nur von männlichen Studenten der Stadt gesungen, die beim Vortragen auch ihre Studententracht tragen. Der Fado de Coimbra handelt eher von der Liebe eines Studenten oder der Liebe zur Stadt.
Es kann durchaus vorkommen, dass in einer Fado-Bar spontan einige Zuhörer aus dem Publikum in den Fado einsteigen und eine eigens geschriebene Strophe votragen. Denn die saudade fühlt jeder Portugiese und damit steckt auch in jedem ein Fadista (Fado-Sänger).
Während der Salazar-Diktatur im Land unterlagen kritische Texte im Fado der Zensur. Für Widerständler ist dies natürlich umso mehr ein Grund die Tradition dieser Musik zu pflegen und Abseits der Einflussbereiche des Regimes so ihrer Kritik Ausdruck zu verleihen. Vielleicht begründet sich auch darin der Stolz vieler Portugiesen auf ihren Musikstil, der mehr als alles andere ein Ausdruck der portugiesischen Mentalität ist.
Portwein

Portwein
Nicht nur bei Weinkennern wird ein Anbaugebiet im Norden Portugals aufgrund seiner hervorragenden Reben-Qualität und dem daraus gewonnen Wein hoch geschätzt. Die Rede ist vom nordportugiesischen Douro-Tal. An den Hängen des Flusses reifen die Trauben, aus dem der schwere, äußerst süße und meist tiefrote Portwein gewonnen wird. Nicht immer stand der Portwein für höchste Qualität und Trauben aus einem streng begrenzten Gebiet. Seit dem 11. Jh. bestand ein Handelsabkommen zwischen England und Portugal, das die Lieferung des auf der Insel schon damals beliebten portugiesischen Weines sicherte. Als englische Kaufleute in einem Kloster jedoch die Art des portugiesischen Weines entdeckten, dessen Gärvorgang vorzeitig beendet wird und dem Wein dadurch seinen süßen Charakter verleiht explodierte ende des 17. Jh. die Nachfrage nach dem "Vinho do Porto". Vom lukrativen Geschäft mit dem Weinexport angelockt traten immer mehr Betrüger auf den Plan, die minderwertige Weine mit Hollundersaft versetzten und verkauften. Es dauerte nicht lange bis das Vertrauen der Engländer in die Qualität des Portweins gesunken war. Mit der versiegenden Nachfrage breitete sich bei den vielen portugiesischen Weinbauern Armut aus. 1756 schritt der erste Minister Marquês de Pombal ein und verfasste Grundsätze für eine Kontrollorganisation, die die Qualität des Portweines sicher stellen sollte. Die "Companhia Geral da Agricultura das Vinhas do Alto Douro" legte unter Anderem das Gebiet fest, in dem Reben für echten Portwein angebaut werden durften. Bis heute haben die damals verfügten Kontroll- und Qualitäts-Merkmale für Portwein in ihren Grundsätzen bestand. Der Portwein erfreut sich darum heute einer großen Beliebtheit auf der ganzen Welt und ist zum festen Bestandteil der portugiesischen Kultur geworden. Man findet ihn in rot oder auch in der weniger bekannten weißen Form auf der Speisekarte jedes portugiesischen Restaurants, sowie in jedem Supermarkt.
